David Bowie is making himself up

By 2014/08/18Berlin, Kultur, Musik

Noch eine knappe Woche läuft die mittlerweile verlängerte David-Bowie-Ausstellung in Berlin und gestern hab ich es spontan geschafft mich durch die noch immer sehr lange Schlange am Eingang durchzukämpfen.

Man konnte ja bereits viel über die Ausstellung lesen und deshalb habe ich vor allem Kostüme, Bühnenbild und Inszenierung in den Räumen des Martin-Gropius-Baus erwartet. Eigentlich ist es ja keine herkömmliche Kunstausstellung, sondern eher ein dokumentiertes Lebenswerk, das seit Monaten angeprießen wird. Aber man muss sagen, Bowie selbst ist Kunst und somit war es nicht eine blose Dokumentation über seine Musik und sein Leben, sondern vor allem ein Einblick in die vielen Fasetten und all die Neuerfindungen dieser beeindruckenden Persönlichkeit.

David Bowie hat es von Anfang an darauf angelegt mit seiner Musik berühmt zu werden. Er war nicht nur Musiker und Künstler, sondern vor allem ein gefuchster Marketingtyp und vielleicht sogar Designer. Von Anfang an war im bewusst, wie wichtig die Szenerie um seine Persönlichkeit herum sein wird. Also erfand er Alter-Egos, wie beispielsweise sein bekanntestes »Ziggi Stardust« – und herum ganze Welten, detaillierte Images, Kostüme, Make-Up, Charaktere …

Während die Medien schockiert waren über den jungen Mann, der sich so erbarmungslos schminkte und verkleidete (»radikale Gewalt in Liberty-Stoffen«) und stets mit seiner Androgynität konfrontierte, wurde er zu Ikone, stieg mit seinem ersten Hit »Space Oddity« mit rasender Geschwindigkeit zum Pophimmel auf und war längst nicht mehr aufzuhalten. Übrigens auch mein Lieblingshit von ihm. Leider konnte ich das schöne Space-Video von der Ausstellung nirgends finden, also stellt ihn euch bitte durchs Bild fliegend vor:

Inspiration zu seinem Werk suchte er überall. Er ging zu Kunstausstellungen, laß Bücher, die ursprünglich viel zu hoch für ihn waren und verschlang Filme wie »Space Odyssee« und »A Clockwerk Orange«. Sehr konzentriert suchte er sich die Essenz aus all diesen Einflüssen heraus und setzte sie in seinem eigenen Tun in Perfektion um. Er ließ sich von der Beat-Generation inspirieren und übte sich in der Cut-up-Schreibtechnik. Er malte und gestaltete und schrieb und sprühte vor Kreativität und Expressionismus.

Unterstrichen wird seine Skurilität zusätzlich durch seine eine erweiterte Pupille, die durch eine Verletzung während einer Schlägerei zustande kam. Irgendwie ging es um Frauen, irgendwie nahm er’s gelassen, irgendwie ist er mit dem Rivalen noch immer befreundet und irgendwie wurde dieser kleine merkwürdige Makel zu einem seiner Markenzeichen. Am schönsten zu bewundern in »Life on Mars«:

Als der Erfolg ihm dann zu Kopf stieg, seine Figuren über ihn hinauswuchsen und seine Drogensucht nicht mehr zu bewältigen war suchte er Zuflucht in Berlin. Dort war er unbekannt, konnte sich frei bewegen und so neu ordnen. Über diesen Ort sagte er einst: »In dieser Stadt kann man sich leicht verlieren, aber sich auch selbst finden.«

In »Where Are We Now« findet man seine Spuren in ungewohnter Melancholie, als West und Ost noch getrennte Länder waren:

Had to get the train,
From Potsdamer Platz.
You never knew that,
That I could do that.
Just walking the dead.
Sitting in the Dschungel,
On Nürnberger Straße.
A man lost in time,r>
Near KaDeWe.
Just walking the dead.
Where are we now?

Soviel David Bowie sich inspirieren hat lassen und andere Künstler zitierte, so oft und exzessiv wird er nun zitiert, sei es sein berühmter Blitz auf der Stirn, der sogar schon ein Vogue-Cover-Model zierte oder seine ausgefallenen Kostüme, die er teils selbst entwarf, teils in enger Abstimmung mit meist befreundeten Modedesignern entwickelte. Michael Clark’s Tanzperformance »Come, Been and Gone« zeigt deutliche Einflüsse von Bowie’s Selbstdarstellungen:

Die Ausstellung erzählt die Musikgeschichte der letzten Jahrzehnte, die Lebensgeschichte von Bowie und gibt einen eindringlichen Einblick in Bowies Welt und Bowies Texte sowie seinen fantasiereichen Inszenierungen. Am Anfang ist man noch etwas überfordert mit der Informationsdichte, die dort wartet, aber ehe man sich versieht ist man eingetaucht und fühlt sich wie auf einem Konzert – damals, in den 70ern – erfüllt mit Songs und Stimmungen. Inspiriert und beeindruckt verlässt man das Museum, muss sich erst wieder in der Realität zurechtfinden und ist beeindruckt von diesem faszinierenden Leben. Man möchte sich vor ihm verneigen und ihm sagen wie viel Respekt man gerade vor ihm bekommen hat. Danke Mr. Bowie!

Die Ausstellung läuft noch bis 24. August. Die Schlange lohnt sich, ich empfehle aber Proviant mitzunehmen.

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