First We Take Berlin Vol.2 / Tag 1

By 2014/09/05Berlin, Festival, Musik

Wer mir gestern Abend auf Twitter gefolgt ist hat bemerkt, dass ich in fünf verschiedenen Konzert-Lokalitäten mein Unwesen getrieben habe. Das First We Take Berlin ging im Rahmen der Berlin Musik Week an den Start und es hat mich letztes Jahr so begeistert, dass es dieses Jahr in meiner Agenda ganz oben stand.

Beim First We Take Berlin treten hauptsächlich Newcomer auf, die die Gelegenheit nutzen ihre Musik gegenüber Liebhabern, aber auch Fachpublikum vorzustellen. Perfekt um an neue Musik zu kommen, einzutauchen und überrascht zu werden.

NORMA JEAN MARTINE

Norma Jean Martine in der Tante Emma
Mein persönlicher Festivalstart war vermutlich auch schon der Höhepunkt des gestrigen Abends. Norma Jean Martine spielte ein ganz intimes kleines feines Konzert in der Tante Emma. Ich kam gerade pünktlich zu Beginn in die Bar und wurde von ihr in den Konzertabend eingeladen, wie es niemand anderes geschafft hätte. Die noch ziemlich junge Rocklady saß gerade ganz allein an ihrem Keyboard und sang den herzergreifensten Song mit ihrer wunderrockigen Stimme, man konnte gar nicht glauben, dass das aus dem Mund dieser zierlichen Person kommt. Später kamen ihre Bandkollegen bewaffnet mit Gitarre und Cajón hinzu, sie ließ vom Keyboard ab und sang und tanzte wie hypnotisiert von ihrer eigenen Musik. Ich hoffe sie kommt bald wieder – echt empfehlenswert. (Leider habe ich kein hinreichendes Video gefunden, man muss sie live sehen).

CRASHCAPTAINS

Crashcaptains
Die Crashcaptains traten gestern im Lido auf. Ein guter Ort für eine eindringliche Berliner Indie-Band. Die sanften Stimmen der Jungs luden ein zum Augenschließen und auf Gedankenreisen gehen. Ein paar instrumentale Passagen erinnerten mich an eine meiner Lieblingsbands The Notwist. Am schönsten fand ich den Moment als nach »Saltwater« das Bühnenlicht aufhellte, als wäre gerade die Sonne nach einer Nacht an der Ostsee aufgegangen.

GENGAHR

the great escape
Das Lido war nur eine kleine Zwischenstation auf dem Weg ins Glashaus. Ich war schon ein paar mal dort, aber immer zu anderen Anlässen als Konzerte. Dabei ist das eine der schönsten Orte für Musik in Berlin.

Gengahr, drei Jungs aus London, von denen zwei aussahen als würden sie noch zuhause wohnen, traten dort zu dritt konsequent nur mit Gitarren und Bass auf. Ein schönes Bild, wieder eine sanfte Stimme, die an manchen Stellen an Thom Yorke erinnert und herzerwärmende Gitarrenmusik.

THE LEGENDARY TIGERMAN

the legendary tiger man
Ich dachte eigentlich, dass der bluesrock(abily)punkige The Legendary Tigerman aus Frankreich kommt, aber tatsächlich ist er aus Portugal. Auf der Entertainmentskala hat dieser verrückte Rock’n’Roller auf jeden Fall eine glatte 10. Selten so viel Enthusiasmus auf der Bühne (und auf dem Bartresen) gesehen. Wie wild sprang er im BiNuu auf und ab, als hätte ihn der Godfather of Rock’n’Roll selbst auf die Stirn geküsst. Sprüche wie »If Rock’n’ Roll ’s a crime, I’ll go to prison« und wildes Gitarrewedeln, ich dachte jeden Moment zündet der Kerl was an. Unglaublich und arg tanzbar!

SEINABO SEY

seinabo sey
Seinabo Sey, die im Lido auftrat, hat mich schon vor dem Festival mit zwei Songs (»Younger« und »Hard Time«) ziemlich beeindruckt. Sie hat eine unfassbare Stimme und auch ein gutes Gefühl für die Mixtur zwischen Soul und Elektronik. Auf der Bühne kam sie mir (vermutlich wegen ihres Outfits) vor, wie wenn sie einem Gospel-Chor entsprungen wäre. An manchen Stellen war mir das ein wenig zu kitschig, aber ich glaube es lohnt sich trotzdem der Soul-Lady auf der Spur zu bleiben.

WE WERE EVERGREEN

we were evergreen
We were Evergreen hatten den längsten Soundcheck e-v-e-r. Aber weil eine Ukulele (eine UKULELE!!!) am Start war, haben wir den Soundcheck eiskalt ausgesessen. Einige der Zuschauer saßen schon halb eingeschlafen an den Wänden oder betranken sich besinnungslos an der Bar. Aber am Ende hat es sich gelohnt. Ich dachte ja zuerst die drei Musiker hätten einfach zu viele Instrumente. Aber Trompete, Bass, Octavor, Keyboard, Xylophon, Ukulele und weiß Gott was sonst noch haben sich bezahlt gemacht. Ganz wundervoll charmante und witzige Musik machen die drei Wahllondoner und besonders hat mir das schöne Mädchen an der Technik und am Xylophon gefallen. Sie war selbst ganz verzaubert von ihren eigenen Klängen und hat freudig getanzt und geheadbanged. Ein schöner Ausklang im Privatclub. Da es die Truppe schon ne Weile gibt findet man ganz bezaubernde Videos von ihnen im großen Netz – einfach mal suchen gehen!

Heute geht’s in die zweite Runde. Mein persönlicher Running Order muss erst noch erarbeitet werden, aber die Fortsetzung folgt …

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