BethlehemUrsprünglich wollte ich mir am Wochenende einen Independent-Film namens »i hate myself :)« im Rahmen des UNKNOWN PLEASURES-Festivals ansehen und dachte ich hätte mir dabei schon schwere Kost ausgesucht. Aber die Mehrheit hat sich dann doch anders entschieden, und zwar für den Politthriller Bethlehem, der am Samstag Abend im Eiszeit lief. Etwas skeptisch und in Erwartung zu viele trockene als auch komplex-politische Erzählstränge über mich ergehen lassen zu müssen nahm ich in dem ausverkauften Saal Platz. Ich behaupte zwar von mir politische Geschehnisse täglich über die gängigen Nachrichtenportale mitzuverfolgen, aber der Konflikt zwischen Israel und Palästina besteht nun mal nicht erst seit gestern und so weit reicht mein Geschichtswissen dann eben manchmal nicht aus, um mich in diesen Ereignissen klar zurecht zu finden.

Bethlehem ist aber ein Film in dem es gar nicht darum geht wer wem wann wieso und wozu. Bethlehem beschäftigt sich viel mehr mit der Tragik der Beziehung zwischen einem Geheimagenten und seinem Informanten, die theoretisch auch in jedem anderen Land stattfinden könnte: Der junge palästinensische Sanfur leidet darunter, dass sein großer Bruder Ibrahim, Anführer der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, von seiner Familie, als auch von seinen Freunden wie ein Held gefeiert wird, während er nur als orientierungsloser Feigling gilt, der es nicht einmal schafft seine Arbeit regelmäßig zu besuchen. Was niemand weiß: Um seinen Vater vor einer Gefängnisstrafe zu schützen, arbeitet Sanfur heimlich als Informant für den israelischen Geheimdienstmitarbeiter Razi, der zu ihm eine innige, fast väterliche Beziehung aufgebaut hat und ihm die Bestätigung und Zuneigung gibt, die Sanfur vergebens bei seiner eigentlichen Familie sucht.

Doch ganz ehrlich kann diese Beziehung nie sein, denn Sanfur fällt es in seinem jugendlichen Alter noch schwer für sich zu entscheiden, wem er seine Loyalität schenken soll; und auch Razi hat natürlich in erster Linie einen Auftrag, für den sein Schützling nur Mittel zum Zweck darstellt. Als die eigenen Interessen der beiden auf zu viele innere Konflikte stoßen gerät die Situation außer Kontrolle, falls man von Kontrolle überhaupt je sprechen konnte. Am Ende gibt es keine vorgefertigte Lösung des israelisch-palästinensischen Autorenduos, die gemeinsam über Jahre an dem Drehbuch gearbeitet haben, sondern eine klare Botschaft: Im Krieg kann es keine Gewinner geben. Das Herz des Kinobesuchers, das am Ende des Films nicht für eine Partei schlägt, sondern für zwei Menschen, die sich gegenseitig mehr bedeutet haben, als es ihnen erlaubt gewesen wäre, wird unweigerlich gebrochen und man kann nur stillschweigend und fassungslos den Kinosaal verlassen, um grübelnd in eine erschreckend friedliche Nacht entlassen zu werden.

Leave a Reply