Berlin Festival – Die Zweite

By 2014/09/07Berlin, Festival, Musik

Heute habe ich mich mit dem Berlin Festival versöhnt und doch noch mein Happy End bekommen. Aber alles erstmal der Reihe nach …

WALDO

Waldo
Meine erste Anlaufstelle war heute das Glashaus, in dem Waldo, den ich auf dem First We Take Berlin verpasst hatte, seinen zweiten Berlin Auftritt gab. Der schicke Rapper erzählte uns das er aus Michigan kommt und war offensichtlich ganz angetan, dass er es nun bis nach Berlin geschafft hat. Gerappt hat er wie aus dem amerikanischen Bilderbuch – sein Bruder hat ihn im Hintergrund unterstützt. Ein schöner Auftakt für mich, ein gutes Vorzeichen für den restlichen Abend und endlich ein Künstler, der zum Publikum Kontakt aufgenommen hat.

JESSIE WARE

Jessie Ware
Die Britin Jessie Ware war eigentlich einer der Gründe, warum ich scharf auf ein Festival-Ticket war. Ich habe sie vor ein paar Jahren auf der TYPO London in einem Vortrag von Kate Moross entdeckt, die für Jessie Ware dieses wunderbare Video zu »Wildest Moments« artdirected hat. Sie ist schon im Pop angesiedelt, das war mir klar, aber sie ging leider in der großen Halle völlig unter, hat es nicht geschafft ihr eigentlich sehr schönes Album »Devotion« in Szene zu setzen und irgendwie hatte man das Gefühl sie traut sich einfach nicht diesen rießigen Raum auszufüllen. Es wurde leider sehr willkürlich und dadurch auch so langweilig, dass ich nach ein paar Lieder aufgegeben habe. Vielleicht war sie auch einfach nur zu warm angezogen …

MYKKI BLANCO

Mykki Blanco Mykki Blanco
Der absolute Hammer und definitiv ein Highlight war Mykki Blanco. Meine Fresse. Rattenscharf. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Ein schwuler schwarzer Rapper, der in Frauenkostümen auf die Bühne tritt. Bestimmt stößt das nicht immer auf Gleichgesinnte und Gratulanten. Und dann ist seine Musik auch noch einfach geil. Man man …

Sein DJ hat leider seinen Flug verpasst, deshalb musste die Diva sich vor Konzertbeginn noch kurz mit ein paar Freunden absprechen und kam wie es sich für eine Lady gehört etwas zu spät auf die Bühne. Das dadurch leider viel zu kurz geratene Konzert hat aber unfassbare Ausmaße angenommen, als Mykki Blanco beschlossen hat die Bühne hinter sich zu lassen und lieber im engen Kreis seiner Fans weiterzuperformen. Und plötzlich stand ich in der ersten Reihe. Er hat so unglaublich aufgeheizt und abgerockt, soetwas hab ich noch nie gesehen! Brav hat er seine Setlist dann pünktlich beendet, sich dann ein weiteres Mal in die Menge gestürzt und begeisterte Fans konnten den verschwitzen Rapper endlich in die Arme nehmen und noch ein paar Sefies machen. Hut ab, mein Herz hast du damit gewonnen, lieber Mykki!

WOODKID

Woodkid
Woodkid konnte die Halle auch nicht bespielen, unglaublich! Selbst er ging mit seinem sonst so heroischen Bühnenauftritt total unter. Keine Power, viel zu poppig, nicht mal die Pauken und Trompeten kamen durch die schlechte Akkustik hindurch und irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass er ne ganze Menge Sprüche wiederholte, die er letzten Winter im Tempodrom auch schon von sich gab. Er scheint etwas müde geworden zu sein. Wirklich schade. Also wieder aufgegeben und die Halle schon beinahe abgeschrieben …

MODERAT

Moderat

Nach etwas Lückenfüllen auf dem Badeschiff kam dann endlich mein rauschendes Ende, das ich mir noch so sehnlich erhofft habe. Endlich hat es eine Band geschafft diese unattraktive ARENA Halle zu bespielen und es waren natürlich Moderat. Im Heimspiel haben die Berliner diese Halle geknackt, und zwar so das es gerade so rauschte! Keiner konnte sich dem mehr entziehen. Das Bühnenbild war phänomenal. Vier zu einem Kreuz geformten Leinwände, die im Zusammenspiel mit geometrischen Formen, Händen und Sternen zu einem dreidimensionalen Raum befüllt wurden.

Und irgendwie haben sie es auch geschafft den bisher gar so schlechten Sound in den Griff zu kriegen. Ich glaube sie haben einfach ihre ganze Power durch die Boxen gejagt und wirklich alles gegeben. Und so konnten wir fröhlich und beseelt zu sphärischen Elektrosounds tanzen. Sascha (früher Apparat) nahm zwischen den Tracks immer wieder Kontakt mit dem Publikum auf. Kurz erzählte er von seinem Motorradunfall, der ihn letztes Jahr zum Berlin Festival verhindert hat. Ganz glücklich waren die drei, dass sie dieses Jahr gesund und munter auf der Bühne stehen konnten und sichtlich Spaß hatten sie da oben, was sie perfekt ans Publikum weiter geben konnten. Ein absolutes Happy End für mich! Am Ende gaben sie noch ihr vorerst letztes gemeinsames Konzert im Dezember bekannt. Im Tempodrom werden sie zusammen mit The Notwist auftreten. Unfassbar! Was für ein Showdown, was für eine Kombination! Ich rate jedem zu Tickets dieser beiden wunderbaren Bands!

Danach hab ich mich doch noch glücklich und zufrieden ganz schnell vom Gelände geschlichen, damit mir das ja nichts mehr ruinieren kann! Fünf Tage Berlin Music Week sind damit für mich zuende gegangen und ich hab das Gefühl ich brauche ein Wochenende nach dem Wochenende. Die Füße schmerzen, aber die Ohren sind berauscht. Soviel Inspiration, junge Talente, die die Bühnen Europas für sich erobern, nette Begegnungen und neue Playlistperlen. Es war anstrengend, aber es hat sich doch sehr gelohnt. Definitiv eine meiner Lieblingswochen hier in Berlin.

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