Berlin Festival – Die Erste

By 2014/09/07Berlin, Festival, Musik

Nach einem ruhigen und einsamen Nachmittag Stadtflucht, an dem ich mal zwischendurch selbst ein Instrument in die Hand genommen habe, ginge gestern Abend zum BERLIN FESTIVAL. Und das war gleich mal ein übler Kulturschock. Da ich auf dem ARENA-Gelände, auf dem das Festival dieses Jahr zum ersten Mal stattfindet (davor wohnte es auf dem Tempelhofer Feld) wohne arbeite, hab ich das außerordendliche Glück an ein Ticket herangekommen zu sein. Schlangen darf ich hinter mir lassen, aber den Menschenmengen kommt man trotzdem nicht aus. Völlig ungewohnt platzt das Gelände gerade aus allen Nähten. Eigentlich habe ich dieses Festival im Rahmen der Berlin Music Week bisher immer verschmäht, aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat, wa?

EDITORS

Editors
Ein paar Bands interessieren mich dann aber doch und eine davon sind auf jeden Fall die Editors. Ich mag ihre Musik in meinen Ohren und die eindringliche wohlig tiefe Stimme von Tom Smith. Perfekte Musik um sich ab und an aus dem hektischen Berliner Alltag auszuklinken. Live war ich nun leider etwas enttäuscht. Keine Frage, die sind natürlich super, aber irgendwie erwarte ich auf der Bühne doch immer ein wenig mehr oder zumindest Differenz zur aufgenommenen Platte und das hat mir gestern ein wenig gefehlt. Sind halt mittlerweile doch alte Hasen und rocken ihr Setlist halt routiniert runter, so wie sie’s vermutlich schon 100te Male zuvor getan haben. Daür haben sie ein wenig überzogen und die große Menge war auch sehr angetan. Das können sie halt, auch wenn ich mir wünschte ich hätte sie noch zu kleineren Zeiten erlebt.

Da die Band ja jedem bekannt sein sollte gibts hier ausnahmsweise kein Musikvideo, sondern eine Doku:

BLACK CRACKER

Black Cracker
Zwischendurch war ich mal etwas experimentell und ging zu Black Cracker ins Glashaus rüber. Etwas in der Hoffnung dort bessere Luft vorzufinden als in der großen ARENA-Halle. War leider nicht so. Nunja, grundsätzlich wär das auf jeden Fall gar nicht so verkehrt dort gewesen. Black Cracker ist in Alabama aufgewachsen, zog aber mit seiner Mutter kurzzeitig nach Deutschland, um von dort aus dann weiter nach New York zu ziehen. In der Zwischenzeit wurde er Musiker, Produzent (wie es sich für einen anständigen Rapper gehört) und Remixer. Wenn man sich darauf einlässt ein gutes Kontrastprogramm zum restlichen Pop-/Electro-/Indie-/New Wave aufkommen, aber die Hipstergangster im Publikum waren schon bisschen schräg und lang konnte er mich dann doch nicht halten …

ZOOT WOMAN

Zoot Woman
Zoot Woman wurde schon auf der FWTB-Seite ganz auffällig geteasert. Einen Tag nach ihrem Auftritt dort kamen sie dann zum Berlin Festival in die ARENA-Halle und da ich sie auf dem kleineren FWTB verschmäht habe, wollte ich ihnen nun gestern noch mal eine Chance einräumen. Sehr elektronisch geht es bei dem Duo zu und Anfangs ist das sehr einlullend und läd zum mittanzen ein, aber nach einer Weile läuft ein Song in den nächsten über und man weiß gar nicht mehr wo eigentlich das Ende und der Anfang waren. Also, irgendwie schon ganz nett, aber irgendwie dann doch nicht hellauf in Begeisterung ausgebrochen.

Ja, wie ich es ja schon vermutet habe … Das Berlin Festival ist einfach nicht wirklich was für mich. Das gefällt bestimmt Leuten, die gerne ne Menge feiern und den ganzen Tag durch ein schön vorgekautes Programm durchgejagt werden wollen. Man geht da hin, weil ein einziges Mal eine Band kommt, die man sonst immer verpasst hat, aber doch endlich mal sehen wollte. Oder um spätnachts in den Clubs abzuhängen. Ein wenig ist es auch ein kleines Mode-Event, muss halt, nich? Aber in den Hallen findet man sich meines Erachtens nach mit viel zu wenig Gleichgesinnten wieder. Ich habe fast den Eindruck, die Masse machts und da fühlen sich viele wohl und die Musik ist eigentlich zweitranig. Viel Kontakt zwischen Band und Publikum ist in der Größe einfach unmöglich und nach zwei wohligen Tagen beim FWTB ist mir das einfach ein wenig zu groß. Zudem kommt bei so vielen Menschen eine seichte Aggressivität vorzugsweise an Ein- und Ausgängen auf, die mir mittlerweile einfach zuwider ist.

Ich werde heute nochmal hin, weil ich wirklich gespannt auf Jessie Ware bin und auch Moderat endlich mal sehen wollte, aber alles so entspannt wie möglich, sicherlich mit kurzen Fluchten auf höher gelegenen Laubengängen zwischendurch.

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