Berlin Art Week Eröffnung

Berlin lechzt mal wieder nach Kunst. Das konnte man am Dienstag schon auf dem Weg zur Eröffnung der Berlin Art Week feststellen. Eine kleine Völkerwanderung schob sich da Richtung AdK am Hanseatenweg. Fast hätte ich meinen Augen nicht getraut. Vor dem Gebäude junge Kunstinteressierte auf dem Rasen sitzend – vor dem Eingang ein Bierflaschenmeer zwischen Besuchern, Bühne und Grillstand – vor der Treppe eine geduldige Menschentraube – im Garten DJ-Pult, Bars und noch ein mal gefühlte paar hundert Kunstbegierige. Ein gebührender Start für die diesjährige Art Week war das kirmesähnliche Event auf alle Fälle.

Anfangs war ich wirklich etwas irritiert von der Volksfestähnlichkeit der Eröffnung der Art Week. Braucht das Kunstpublikum nun wirklich schon einen komplett durchchoreografierten Abend mit möglichst vielen Langeweile-Killern? Aber wenn man sich den Andrang auf die Ausstellungsräume mal ansah, der stundenlang in Warten und Anstehen ausdauerte, war man ganz froh, dass die große Masse so gut aufgehoben war und man getrost ein paar Stunden vertrödeln konnte. Kurz vor offiziellen Schluss konnten wir uns dann auch noch nach oben mogeln und damit hat sich der Besuch dann doch noch sehr gelohnt, auch wenn sich die Füßchen schon etwas plattgetreten hatten.

Die Akademie der Künste befasst sich mit dem Projekt »Schwindel der Wirklichkeit« ja bereits seit einem knappen Jahr mit dem Umbruch der Kunst und deren Strategien und Arbeitsweisen im Zeitalter der digitalen Medien. Aber vermutlich ist es Ihnen seit dem noch nie so sehr gelungen diesen Diskurs so anschaulich zu gestalten, wie jetzt auf der aktuellen Eröffnungsausstellung der Kunstmessenwoche in Berlin. Die komplette Ausstellung basiert auf Interaktion zwischen Betrachter und Werk. Erst mit der Interaktion der Besucher kommen die Arbeiten im Obergeschoss zum Leben und so findet man eine große Spielwiese vor, die sich meines Gefühls nach hauptsächlich mit Wahrnehmung aktueller Medienberichte befasst und nur manchmal in charmante humorvolle Seitengässchen tritt. Vertreten sind Künstler wie Olafur Eliasson, mit seinen poetischen Spiegelinstallationen, Thomas Demand, der ganze Räume in ihrem kleinsten Detail in Papier nachbaut und fotografiert, Joachim Sauter (ART+COM) mit seinen kameratrackingbasierten Experimenten und Peter Campus, der mit seiner Instalation »mem« die Besucher mit ihrem eigenen verzerrten Antlitz begeistert. Besuchergrüppchen bekommen Kopfhörer, über die sie Anleitungen zu einer gemeinsamen Choreografie angesagt bekommen und beginnen damit eine Performance zwischen den Zuschauern und angeblich wird man sogar aufgefordert zu einer Diskussion zum Thema Marktwirtschaft teilzunehmen, was ich jetzt nur vom Hörensagen weiß.

Wer sonst in der Akademie Kunst hinter Glasvitrinen erwartet, der sollte dringend jetzt hin um sich eines besseren Belehren zu lassen.

Der Kunstmarathon geht jeden Falls noch bis Sonntag weiter und ich hoffe noch die ein oder andere interessante Kunstbegegnung zu erhaschen.

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